Konzept, Gestaltung, Realisation © 2002 hleistner@t-online.de
Der Mensch lebt in einer realen Welt. Er gehört dazu. Für sich haben die Menschen die Wirklichkeit geordnet, es entstand Physik, Biologie, Chemie und vieles mehr. Wenn Menschen gelegentlich, öfter, immer wieder, dauernd einen bestimmten Teil der realen Welt aufsuchen, können wir von einem Ort sprechen. An Orte legt der Mensch oft und gerne "Hand an". Der freche Homo sapiens gestaltet Orte, mehr oder weniger, nach seinem Gutdünken. Meist bekommen solche Schnittpunkte von Raum, Zeit und Menschenwillen einen Namen. Solche Namen verraten oft etwas von den Absichten der beteiligten Menschen:

Kindergarten - Industriepark - Verkehrsfläche - Kaufhalle - Wartesaal - Naßzelle -Krabbelstube - Schaukel - Plumpsklo - Atelier - Kantine - Bühne - Stammtisch - Beichtstuhl - Liebesnest - Abstellkammer...

Sehr beliebt ist es bei den Menschen, eine "gewisse" Kontrolle über die Orte zu besitzen. "Macht Euch die Orte untertan." Die Wahrnehmung der Orte ist bei den Menschen individuell unterschiedlich, bestimmt durch Kultur, Lebensalter, eigene Lebensgeschichte, Zufälligkeiten, momentane Befindlichkeiten und einiges mehr. Orte wirken auf Menschen anregend. Der Mensch steuert u. a. seine Erregung durch das Aufsuchen verschiedener Orte oder durch die Veränderung eines Ortes. Durch aktuelles Denken zusätzlich interpretiert-beeinflußt, entstehen im Menschen unterschiedlich getönte Erregungszustände (Gefühle). Diese Gefühle lösen in Verbindung mit Beweggründen, Bedürfnissen, Erinnerungen, erneutem Nachdenken und dem körperlichen Zustand beim Menschen Verhaltensweisen aus. Diese verzwickten Abläufe sind bei allen Menschen vorzufinden - ob alt oder jung, dick oder dünn, groß oder klein, weiß oder schwarz. Zu bedenken sind dazu noch ein großes Maß an Zufälligkeiten und Unklarheiten (Unbekanntes oder Irrtümer).

Es ist also recht keck zu behaupten, es gäbe Orte für Kinder.

Sind das etwas Räume, extra für Kinder?

Soll es den Kindern an diesen Orten gut ergehen?

Sind Schonräume für Kinder sinnvoll?

Vielleicht sind Orte für Kinder heimliche effektive pädagogische Arbeitsräume für erwachsene Lehrkörper - Lehrorte statt Lernorte?

Sind es Abstellräume für Kinder - Leerorte statt Lernorte?

Wer teilt Orte zu - welche Machtvernältnisse zeigen sich?

Wer gestaltet Orte - welche Absichten werden sichtbar?

Ist der öffentlich-rechtliche, pädagogische Raum (Schule, Spielplatz, Kindergarten usw.) weitaus mehr öffentlich-rechtlich als pädagogisch?

Nähern wir uns als gestaltungskräftige Mitmenschen mit pädagogischem Hintergedanken Orten für Kinder - entstehen dort für unsere Ziele günstige Lehrorte - bestenfalls? Orte der Kinder entstehen sehr häufig aus unseren Unzulänglichkeiten und Fehlern. Den Freiraum, der aus Irrtum, Nachlässigkeit, Geldmangel und Dummheit der gestaltenden Erwachsenen entsteht, nutzen die jungen Menschen gnadenlos aus. So werden aus Orten für Kinder in bescheidenem Ausmaß Orte der Kinder. Die Orte meiner Kindheit, die mich zutiefst betroffen gemacht haben, die nicht aus meinem Gedächtnis verschwinden, waren von den beteiligten Erwachsenen nicht so gemeint. Wir gestaltungskräftigen Erwachsenen haben nun einige Möglichkeiten aktiv zu werden:

Der erste Weg:
Aus unseren pädagogischen Zielvorstellungen heraus Räume für Kinder zu gestalten. Da gibt es die Möglichkeit, den Raum als Verbündeten zu betrachten, oft selbst Hand anzulegen. Da gibt es die Möglichkeit, sich mit den anderen beteiligten Mitmenschen zu streiten: mit Eigentümern (ein Kindergarten sieht nicht so aus wie eine Altentagesstätte), mit Juristen (Risiko gehört zum Leben der Kinder), mit Verwaltern (das Haushaltsjahr steuert nicht allein die Ausgaben), mit Architekten (teuer ist nicht immer gut), mit Handwerkern (der rechte Winkel ist nicht das Maß aller Dinge), mit Vorgesetzten (über Geschmack soll man streiten). Diese Beispiele lassen sich noch erheblich erweitern. Da gibt es die Möglichkeit, für Kinder eigene Freiräume, Nischen bewußt mitzubedenken, damit es für Kinder die Chance gibt, sich unserem Ansinnen leichter zu entziehen. Und es gibt die Möglichkeit, pädagogische Räume als permanente Baustelle zu betrachten. Schlüsselfertige Anlagen, die dann 20 Jahre so sein müssen, sind ein Übel.

Der zweite Weg:
In unseren Erinnerungen nach bedeutsamen Orten der Kindheit zu suchen. Vielleicht hilft die Erinnerung der eindrucksvollen Orte der Kindheit von gestern bei der Gestaltung der Orte für Kinder von morgen.

In diesem Sinne ist die folgende Frageaktion zu betrachten. HTML-Version - PDF-Version


W. Bort-Gsella

Kontakt/Fragen
Orte der Kindheit
Über uns
Über das Spielen
Aus der Praxis
Materialien
Infodienst/Archiv
Wolfgang Bort-Gsella
Eikelkamp 19 • 45276 Essen
Tel. 02 01/51 34 94