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Kinderkultursommer Rhinozeros veranstaltet Kultur und Spiel in Ihrer Einrichtung
Eine Reise ins Mittelalter
Kurzbericht über dasGeschichtsprojekt mit Kindern im Sommer 1999., Kulturzentrum Grend in Essen in Kooperation mit der Spielwerkstatt Rhinozeros

Ausgangssituation und Ziele: Der Kinderkultursommer wurde als ein Höhepunkt des vielfältigen Kinder- und Jugendprogramms geplant und durchgeführt. Es wurde der Tatsache Rechnung getragen, dass sich immer weniger Eltern einen umfangreichen Familienurlaub leisten können, dass das Freizeitangebot in den Ferien für Kinder im Stadtteil gering ist und hier eine neue Alternative entsteht, die auch inhaltlich besondere Akzente setzte. Das Haus besitzt ausgezeichnete räumliche Bedingungen für das Projekt und konnte gut als Burg/Schloss hergerichtet werden. Haus und Exkursionen bildeten ein Szenario, dass das Thema Geschichte für die Kinder interessant, erlebbar und nachvollziehbar machte. Kinder als Ritter, Handwerker, Bauern, Dienstboten, fahrendes Volk zogen ins Grend ein und nahmen Besitz davon. Durch den Blick in die Vergangenheit wurde der Gegenwarts-Blick geschärft. Die Besucherzahl der wöchentlichen Präsentationen war ungewöhnlich hoch und die Reaktionen zu sehr großen Teilen interessiert und positiv. Diese Form der Aufbereitung des Themas „Mittelalter“ hatte für die Kinder verschiedene Aspekte: Durch die sinnlichen Erfahrung bekam das Projekt „Erlebnischarakter“. Es machte Spaß und es war aufregend teilzunehmen. Die Neugierde der Kinder wurde angesprochen und dadurch die Bereitschaft geweckt, sich auf Geschichte einzulassen. Die Kinder schlüpften in eine andere Zeit und in Rollen, die es zu dieser Zeit wirklich gegeben hatte. Die Kinder lernten sinnlich und auf spielerische Weise das Leben im Mittelalter kennen. Es wurden Vergleiche gezogen: Wie war das Leben früher? Wie ist es heute? Gibt es noch Gemeinsamkeiten oder ist alles anders. Sind die Errungenschaften der modernen Welt grundsätzlich gut? Gibt es etwas aus der Vergangenheit, was wir lernen können? Das Projekt stand unter dem Motto: Spielen, Erleben und Produzieren! Jeder Workshop stellte am Ende etwas dar. Die Darstellungsform wurde von den Kindern und KursleiterInnen gemeinsam geklärt. Alle Ergebnisse wurden gesammelt und wöchentlich vorgestellt. Ziel des Projektes war es ebenfalls, dass die Kinder Spaß und Interesse an Geschichte entwikkeln und sich darauf einlassen. Jede der drei Wochen stand unter bestimmten Themen:
1. Woche: Burg- Spektakel 2. Woche: Geschichte und Geschichten 3. Woche: Gaukler und Gespenster. Pro Woche wurden jeweils drei Workshops angeboten, die sich die Kinder selbst auswählen konnten. Die Veranstaltungen dauerten von 10 bis 16 Uhr. In der Mittagspause bekamen die Kinder immer ein leckeres Mittagessen aus der Kantine des Grend.

Überblick über die gesamten Projektaktivitäten:

Die Veranstaltung begann in jeder der drei Wochen mit neuen Schwerpunkten, die zu Beginn jeder Woche von den Kindern neu gewählt wurden. Die sich anfangs der Woche gebildeten Gruppen blieben die gesamte Woche zusammen. Dies hatte die erfreuliche Folge, dass die Kinder sich intensiv mit einem Teilaspekt des Geschichtsprojektes auseinandersetzen konnten. Durch tägliche gemeinsame Auftakt und Abschiedsveranstaltungen informierten sich die Kinder gegenseitig über ihre Aktivitäten. Dabei spielte die wöchentliche Abschlussveranstaltungen eine besondere Rolle. Dort wurden Freunden und Verwandten vorgestellt, was in der Woche ausprobiert, und erlebt wurde. Obwohl in jeder Woche drei Gruppen parallel am Programm arbeiteten, wurde die Veranstaltung als Einheit empfunden. Es folgen die einzelnen Arbeitsgruppen:
Erste Woche: Burgspektakel. In dieser Gruppe wurde ein mittelalterlicher Umzug mit Tanz, Gesang und Spielen erfunden, erprobt und am Ende der Woche in der Fußgängerzone aufgeführt. Alle anderen Kinder wurden beim abschließenden Umzug mit einbezogen. Dazu wurden von den Kindern Kostüme und Instrumente erstellt. Wir gestalten unsere Burg – Das Kulturzentrum wurde von den Kindern in der ersten Woche zu einer mittelalterlichen Burg umgebaut. Schwerpunkt: Schilder und Fahnen, die die entsprechende Kulisse bildeten. Es gelang aber auch einzelne Teile einer Burg, wie Schlafgemach, Speisetische, Helme, Ahnenbilder, Wappen zu erstellen und am Ende in einer Ausstellung vorzustellen.
Videogruppe – In jeder Woche dokumentierte eine Kindergruppe das Geschehene auf Video. Dazu kam anfangs auch eine Einführung in Kameratechnik. In der ersten Woche wurden auch die Bürger auf der Straße befragt.
Zweite Woche – Geschichte und Geschichten. Diese Gruppe beschäftigte sich besonders mit dem Alltag im Mittelalter. Die Kinder gaben sich mittelalterliche Namen, bauten ein Modell eines Dorfes um die Jahrtausendwende, erstellten Siegel, beschäftigten sich mit der Sprache, kochten usw.. Dazu kamen Ausflüge zur Isenburg und zum Münsterschatz. Es wurden Spiele aus dem Mittelalter gespielt und Kleidung erstellt.
Theatergruppe Don Quichotte: Die kindgemäße Überarbeitung von Erich Kästner diente als Vorlage. Die Kinder bearbeiteten ausgewählte Szenen probten sie und führten sie dann am Ende der Woche das Theaterstück auf.
Videogruppe – In dieser Woche interviewte die Videogruppe auch Kaufleute, Brillenmacher und Marktverkäufer zum Mittelalter. Auf der Isenburg und im Münsterschatz wurde kräftig gefilmt.
Dritte Woche: Mittelalterliche Gaukler – Die Gauklergruppe erlernte eine Reihe von Kunststücken (s. B. Jonglieren, Zaubern usw.). Nach intensiver Probenarbeit wurde das Ergebnis während eines Festes am Ende der Woche aufgeführt. Gespenstertheater – Das Volkslied vom garstigen Ritter Hadubrand diente als Grundlage zu einem schaurigen Gespenstertheaterstück. Die Kinder entwickelten aus jeder Strophe eine Szene. Diese wurden geprobt, es wurde Kostüme und Requisiten erstellt und am Ende des Projektes vor großem Publikum aufgeführt.
Videogruppe – Neben der Dokumentation für Gaukler und Theaterarbeit, interviewten die Kinder Mitarbeiter der Sparkasse und Bürger über Geld im Mittelalter zu dem Thema. Zum Ende wurde eine Videodokumentation erstellt.

 

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